Kalenderblatt
1. Februar

Ich habe den Anschluß nach Marokko verpaßt

Kalenderblatt vom 01. Februar
“Ich habe den Anschluß nach Marokko verpaßt”
“I missed the connection to Morocco”
“He perdido  la conexión hacia Marruecos”

Acryl, Acrylpaste, Glitter auf Acrylpapier ca 21 x 15 cm

Ich habe den Anschluss nach Marokko verpasst“ ist kein geografischer Satz, sondern ein innerer. Er markiert den Moment, in dem ein geplanter Aufbruch scheitert  und sich gerade dadurch ein tieferer Raum öffnet.

Das dominierende Gelb füllt das Bild wie eine alles durchdringende Atmosphäre. Es ist kein freundliches Postkarten-Gelb, sondern ein existentielles Licht, flächig, unerbittlich, präsent. Gelb als Hitze, als Wartehalle, als Zustand des Ausgesetztseins. In diesem Licht gibt es kein Verstecken. Alles ist sichtbar, alles ist da. Zeit steht still.

Die rote Sonne, fast schwebend, fast zu groß für den Raum, wirkt wie ein innerer Fixpunkt. Sie ist kein fernes Gestirn, sondern ein inneres Brennen, ein Zentrum von Energie, Trotz und Lebenskraft. Sie sagt: Ich bin noch da. Auch wenn der Anschluss verpasst ist, auch wenn der Weg unterbrochen wurde, die innere Glut erlischt nicht. Im Gegenteil, sie verdichtet sich.

Darunter bricht die Komposition auf. Die untere Bildhälfte ist fragmentiert, erdig, roh. Acrylpaste, Schichtungen, Kratzer, dunkle Einschlüsse  wie eine Landschaft nach einem inneren Erdbeben. Hier liegt das Verpasste, das Ungesagte, das Nicht-Geregelte. Keine klare Linie, kein sicherer Boden, sondern Bewegung, Reibung, Widerstand. Das Leben, nachdem der Plan nicht aufgegangen ist.

Der Glitter wirkt dabei nicht dekorativ, sondern fast trotzig. Er ist kein Glanz, der beschönigt, sondern ein Aufblitzen von Würde im Chaos. Ein leiser Hinweis darauf, dass selbst im Scheitern etwas Kostbares liegt. Dass Brüche leuchten können. Dass Umwege Tiefe erzeugen.

Der Titel setzt den entscheidenden Kontrapunkt: nüchtern, fast beiläufig, beinahe humorvoll. Doch genau darin liegt seine Kraft. Nicht „ich bin gescheitert“, sondern: ich habe den Anschluss verpasst. Ein Moment, kein Urteil. Eine Verschiebung, kein Ende. Marokko wird zum Symbol für das erträumte Anderswo, für Wärme, Fremde, Sinnlichkeit, Neubeginn. Und gleichzeitig für die Erkenntnis: Vielleicht beginnt die eigentliche Reise genau hier.

Dieses Bild ist eine Hommage an das Verpassen. An jene Augenblicke, in denen das Leben nicht dem Fahrplan folgt, sondern der Wahrheit. Es erzählt von Stillstand, der reift. Von Hitze, die klärt. Von Chaos, das trägt. Und von einer Sonne, die bleibt, auch wenn der Zug schon abgefahren ist.

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Kalenderblatt
1. Februar

 Kalenderblatt zum 1. Februar

Das Kalenderblatt zum 1. Februar
“Roter Atem über dem Morgenland”
“Red Breath over the Morning Land”
“Aliento rojo sobre la tierra del amanecer

Acryl, Farbkarton, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Dieses Bild ist eine Landschaft, die nicht abbildet, sondern erinnert. Nicht das Außen steht im Mittelpunkt, sondern ein innerer Raum, in dem sich Ursprung und Gegenwart berühren. Der Blick findet keinen festen Halt, sondern gleitet in eine Szene, die sich dem Benennen entzieht und gerade dadurch Tiefe gewinnt.

Der rote Kreis ist keine Sonne im klassischen Sinn. Er erscheint als Atem, als verdichtetes Lebenszeichen, als pulsierender Kern von Bewusstsein. Schwer und zugleich schwebend liegt er über dem Horizont, wie ein Herzschlag im frühen Stadium der Welt. Er fordert Aufmerksamkeit, ohne zu dominieren, ein Zeichen, das nicht erklärt, sondern wirkt.

Darunter öffnet sich das Gelb wie ein Band des Erwachens. Es trägt Licht, Wärme und Bewegung in sich, wirkt fließend und verbindend. Dieses Gelb ist kein dekorativer Farbwert, sondern Energie, ein Übergangsfeld zwischen Himmel und Erde, zwischen Idee und Materie. Es ist der Raum, in dem etwas beginnt, ohne schon Form anzunehmen.

Das Blau darüber ist kein ruhiger Himmel, sondern ein gearbeiteter Raum. Spuren, Strukturen und Überlagerungen lassen ihn denken, nicht träumen. Hier liegt Tiefe, aber keine Flucht, eher das Gefühl eines Bewusstseins, das sich ordnet, das tastet, das offen bleibt.

Im unteren Bereich verdichtet sich die Landschaft zu rohen, widerständigen Erdschichten. Kratzige Linien, gebrochene Farben und pastose Aufträge erzählen von Durchleben, von Geschichte, von Berührung. Diese Erde ist nicht romantisch, sie ist wahr. Acrylpaste, Farbkarton und Büttenpapier verstärken das Gefühl von Materialität, als müsse das Bild selbst Widerstand leisten, um seine Aussage zu tragen.

Alles in dieser Komposition bewegt sich zwischen Ursprung und Aufbruch. Zwischen archaischer Kraft und stiller Kontemplation. Es ist der Moment vor dem ersten Schritt, wenn der Tag noch unentschieden ist und die Welt den Atem anhält, nicht aus Angst, sondern aus Möglichkeit.

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