
Das Kalenderblatt zum 13. Oktober
„Unter der Haut der Landschaft“
„Beneath the Skin of the Landscape“
„Bajo la piel del paisaje“
Acryl, Glitter und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Die Landschaft ist hier kein Ort, sondern ein Zustand. Sie zeigt sich nicht in Horizonten, Bergen oder Tälern, sondern in den Ablagerungen und Verletzungen ihrer eigenen Geschichte. Was sichtbar wird, ist nicht ihre äußere Erscheinung, sondern das, was unter ihrer Haut verborgen liegt.
Rot glüht aus der Tiefe, drängt zwischen erdigen, violetten und ockerfarbenen Schichten hervor. Es ist, als hätte die Materie ein Gedächtnis, als bewahrte sie die Erinnerung an längst vergangene Erschütterungen. Die Farbe wird zur geologischen Substanz, die Bildfläche zu einem Gelände, in dem Zeit nicht vergeht, sondern sich ablagert.
Doch diese Landschaft ist nicht allein gewachsen. Sie wurde bearbeitet, aufgerissen, überdeckt und wieder freigelegt. Linien durchziehen die Oberfläche wie Narben. Jede Spur zeugt von einem Eingriff, jede Übermalung von einem Widerstand. Die Malerei wird zum körperlichen Geschehen, zum Ringen zwischen Zerstörung und Entstehung.
Das Bild verweigert die Eindeutigkeit. Es lässt offen, ob wir auf eine verwundete Erde blicken oder in das Innere einer menschlichen Erfahrung. Vielleicht sind beide nicht voneinander zu trennen.
Unter der Haut der Landschaft begegnen sich die langsame Zeit der Erde und die unmittelbare Leidenschaft des Malens. Was bleibt, ist keine Darstellung der Natur, sondern die Erfahrung ihrer unaufhörlichen Verwandlung.
Die Landschaft endet nicht an ihrer Oberfläche. Dort beginnt sie erst.
