
Das Kalenderblatt zum 25. August
“Gefangen in den Verstrickungen der Gefühle”
“Trapped in the Entanglements of Emotions”
“Atrapado en los enredos de las emociones”
Das Bild scheint auf den ersten Blick von Unruhe und Überlagerung beherrscht zu sein. Dunkle Linien durchziehen die Fläche, kreuzen sich, verschwinden unter Farbschichten und tauchen an anderer Stelle wieder auf. Gelb, Schwarz, Rot, Grün und erdige Töne bilden ein dichtes Geflecht, in dem kaum ein eindeutiger Weg auszumachen ist.
Die Malerei selbst wird zur Verstrickung.
Besonders im unteren Bildbereich verdichten sich Farbe und Acrylpaste zu einer beinahe landschaftlichen Struktur. Man könnte darin Felsen, Gestrüpp, Schluchten oder Spuren einer unbekannten Topografie erkennen. Doch nichts fügt sich zu einer eindeutigen Landschaft. Formen entstehen und lösen sich wieder auf.
Darüber breitet sich ein intensives Gelb aus. Es bringt Helligkeit in das Bild, ohne die dunkleren Strukturen tatsächlich aufzulösen. Auch Rot und Orange dringen immer wieder durch die Fläche und bilden glühende Verdichtungen.
Inmitten dieser malerischen Unruhe steht eine Form, die sich allem anderen widersetzt:
ein roter vertikaler Balken.
Glatt, klar und geometrisch hebt er sich von der bewegten Umgebung ab. Fast wirkt es, als gehöre er nicht zu derselben Wirklichkeit.
Was ist diese Form?
Eine Tür? Eine Grenze? Eine Wunde? Ein Mensch? Ein Zeichen?
Vielleicht sogar ein Ausgang.
Doch das Bild verrät nicht, ob dieser Ausgang tatsächlich offensteht.
Gerade darin liegt für mich die Spannung von „Gefangen in den Verstrickungen der Gefühle“. Gefühle erscheinen hier nicht als einzelne Zustände, die sich sauber benennen und sortieren lassen. Sie bilden Schichten. Sie überlagern einander, widersprechen sich, hinterlassen Spuren und verändern ihre Gestalt.
Und mitten darin steht dieses Rot.
Es erklärt nichts.
Es verspricht nichts.
Es bleibt.
Vielleicht muss man aus einer Verstrickung auch nicht immer sofort herausfinden.
Vielleicht beginnt Veränderung zunächst mit etwas viel Einfacherem:
Inmitten all dessen einen Punkt zu entdecken, an dem man sagen kann: Hier bin ich.
