Kalenderblatt
29. August

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Das Kalenderblatt zum 29. August
“Schirokko”
“Sirocco”
“Leveche”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
               

Der Wind selbst ist unsichtbar.

Sichtbar wird nur, was er verändert.

In „Schirokko“ scheint die gesamte Bildfläche von einer solchen Veränderung erfasst worden zu sein. Ocker, Gold, Braun, Rot und Schwarz liegen in dichten Schichten übereinander. Die Farben wirken erhitzt, ausgetrocknet, aufgerissen und wieder abgelagert.

Es entsteht eine Oberfläche, die an verwittertes Gestein, verbrannte Erde oder eine alte, vielfach überarbeitete Wand erinnert. Nichts erscheint glatt oder abgeschlossen. Die Acrylpaste bildet Grate, Brüche und Verdichtungen. Manche Stellen treten hervor, andere scheinen unter späteren Schichten verschwunden zu sein.

Der Titel „Schirokko“ bringt Bewegung in diese scheinbar erstarrte Welt.

Der heiße Wind selbst ist nirgends dargestellt. Und doch könnte er überall gewesen sein.

Vielleicht hat er die Oberfläche ausgetrocknet. Vielleicht hat er Staub herangetragen, Schichten freigelegt oder Spuren verwischt. Das Bild zeigt dann nicht den Wind, sondern seine Wirkung auf die Dinge.

Inmitten dieser erdigen, beinahe archäologischen Landschaft erscheinen zwei Formen, die einer anderen Ordnung anzugehören scheinen.

Von rechts oben dringt ein langer heller Keil in die Bildfläche. Scharf und gerichtet durchschneidet er die dunkleren Ablagerungen. Er könnte Licht sein, eine Schneise, eine Markierung oder schlicht eine geometrische Setzung, die sich der organischen Unruhe widersetzt.

Fast senkrecht darunter steht eine schmale tiefblaue Form.

Gerade dieses Blau verändert das Bild. Zwischen all den warmen Erd- und Feuertönen wirkt es fremd, kühl und überraschend still. Es erinnert an einen Pfeiler, eine Klinge, einen Schatten oder ein Zeichen, dessen Bedeutung verlorengegangen ist.

Etwas richtet sich auf, während ringsum alles in Bewegung und Veränderung begriffen scheint.

Doch auch diese Formen erklären das Bild nicht.

Sie bleiben Zeichen in einer Landschaft aus Spuren.

Vielleicht liegt darin die Verbindung zur Alchemie des Wandels: Transformation geschieht nicht als sauberer Übergang von einem Zustand in einen anderen. Etwas wird abgetragen, anderes freigelegt. Neues lagert sich über Altem ab. Manche Spuren verschwinden, andere treten plötzlich hervor.

Der Schirokko wird so zum Bild einer Kraft, die selbst nicht sichtbar werden muss.

Wir erkennen sie an dem, was nach ihr anders ist.

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Kalenderblatt
29. August

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Das Kalenderbild zum 29. August
„Die Sonne weiß nichts vom Sturm“
„The Sun Knows Nothing of the Storm“
„El sol no sabe nada de la tormenta“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Hier liegt keine Landschaft still vor dem Betrachter. Kräfte stoßen aufeinander.

Unten das Meer.

Es ist nicht blau. Jedenfalls nicht nur. Weiß fährt hinein, Grün, Gelb und Dunkelblau brechen gegeneinander. Das Wasser scheint sich selbst aufzureißen. Es gibt keine einzelne Welle, an der der Blick zur Ruhe kommen könnte. Das ganze Meer ist Bewegung.

Darüber erhebt sich das Land.

Die Berge stehen dunkel gegen den Himmel, schwer und beinahe schwarz. Doch auch sie sind nicht unbewegt. Rot, Braun, Violett und kleine Spuren von Licht durchdringen ihre Oberfläche. Als hätten sie das Feuer des Himmels aufgenommen und hielten es nun in ihrem Inneren fest.

Und dann dieser Himmel.

Gelb. Orange. Glühend.

Man könnte versuchen, ihn sorgfältig in verschiedene Farbtöne zu zerlegen. Doch dieser Himmel will nicht beschrieben werden.

Er will leuchten.

Links steht die Sonne.

Gerade sie ist nicht der stärkste Teil des Bildes. Sie erscheint blass, beinahe durchsichtig. Rings um sie scheint der Himmel stärker zu brennen als sie selbst.

Vielleicht ist sie deshalb gar nicht das Zentrum.

Vielleicht ist sie nur der Ursprung einer Kraft, die längst das ganze Bild erfasst hat.

Zwischen Himmel und Meer liegen die Berge wie eine dunkle Schwelle. Drei Welten entstehen:

Licht.
Erde.
Wasser.

Sie berühren einander und bleiben doch getrennt.

Das Meer weiß nichts von der Ruhe der Berge.

Die Berge wissen nichts von der Bewegung des Wassers.

Und hoch darüber steht die Sonne, als hätte der ganze Aufruhr mit ihr nichts zu tun.

Daraus entsteht der Titel:

„Die Sonne weiß nichts vom Sturm“

Er beschreibt nicht einfach, was auf dem Bild dargestellt ist. Er bezeichnet den Widerspruch, der die Landschaft durchzieht.

Unten Aufruhr.
In der Mitte Widerstand.
Oben Licht.

Das Bild versucht nicht, diese Gegensätze miteinander zu versöhnen.

Es lässt sie gleichzeitig bestehen.

Und vielleicht ist das näher an der Natur als jede friedliche Landschaft.

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