Aus meinem Skizzenbuch

„Expansion I“

Bevor ein Gedanke Form annimmt, bevor ein Wort gesprochen, bevor eine Handlung gesetzt wird, existiert ein Moment reiner Verdichtung. Ein Punkt maximaler Konzentration. Genau dort setzt dieses Bild an.

Im Zentrum liegt eine dunkle, kreisförmige Verdichtung, nicht aggressiv, nicht chaotisch, sondern gesammelt. Sie wirkt wie ein innerer Motor, wie ein Kern, in dem Potenzial gebündelt ist. Von hier aus öffnen sich radial segmentierte Bögen, die sich in klar definierten Bahnen nach außen entfalten. Es ist keine zufällige Streuung, sondern eine gezielte Ausstrahlung. Hier entfaltet sich Kraft mit Richtung.

Auffällig ist die Fragmentierung der Kreise. Die Bögen sind unterbrochen, rhythmisieren sich selbst durch Licht und Schatten. Dadurch entsteht kein statischer Kreis, sondern ein vibrierendes Feld. Das Auge folgt den Strukturen spiralförmig, wird hinausgetragen und zugleich immer wieder an den Ursprung erinnert. Expansion und Rückbindung existieren gleichzeitig.

Die Schattierungen verleihen den Formen Volumen. Die Bögen scheinen nicht auf der Fläche zu liegen, sondern sich aus ihr herauszuheben – wie Schallwellen, die sich im Raum ausbreiten, oder wie Frequenzen, die ein unsichtbares Feld strukturieren. Die Bildfläche wird zur Projektionsfläche für Energie. Man sieht nicht nur Linien, man spürt Intensität.

Die bewusste Reduktion auf Schwarz und Weiß schafft Klarheit. Ohne Farbe bleibt die Aufmerksamkeit vollständig bei Struktur, Rhythmus und Bewegung. Es geht nicht um dekorative Wirkung, sondern um Prinzipien: Zentrum, Ausstrahlung, Resonanz. Das Bild verhandelt das Verhältnis von Innen und Außen.

Die radiale Komposition vermittelt Ordnung, fast mathematische Präzision. Gleichzeitig brechen die ungleichmäßigen Segmente jede sterile Perfektion auf. Es entsteht Spannung, zwischen Systematik und Lebendigkeit, zwischen Konstruktion und Impuls. Genau diese Spannung verleiht dem Werk seine Sogkraft. Es ist kontrollierte Energie.

Man kann dieses Bild als Metapher für Wirksamkeit lesen: Alles beginnt mit innerer Sammlung. Erst aus klarer Zentrierung heraus entsteht Reichweite. Die äußeren Bögen sind nicht unabhängig vom Kern – sie sind seine Konsequenz. Wirkung ist immer die Verlängerung der inneren Haltung.

So bleibt dieses Werk reduziert und zugleich vielschichtig. Es zeigt keinen Gegenstand und erzählt doch von Präsenz, Einfluss und Ausdehnung. Es ist eine Studie über Ursprung und Resonanz, präzise, konzentriert, kraftvoll.

 

 

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Kalenderblatt
2. März

Die Geschmackselite hat zugeschlagen

Kalenderblatt vom 2. März
“Die Geschmackselite hat zugeschlagen”
“The elite of  tastefulness has hit”
“La élite del buen gusto ha dado en el blanco”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Die Geschmackselite hat zugeschlagen“  ist ein Kommentar. Ein visueller Schlagabtausch zwischen Oberfläche und Aussage, zwischen Ästhetik und Ironie. Auf den ersten Blick begegnet uns eine vibrierende, fast majestätische violette Fläche, rau, geschichtet, lebendig. Sie wirkt wie ein geadelter Hintergrund, würdevoll, kulturell aufgeladen, beinahe sakral. Und genau hier beginnt das Spiel.

In dieses Feld aus Würde und Tiefe schlagen geometrische Fragmente ein: ein scharf gesetztes Gelb, ein selbstbewusstes Rot, ein asketisches Weiß, ein auftrumpfendes Orange. Sie stehen nicht harmonisch nebeneinander, sie behaupten sich. Jede Form ist eine Entscheidung. Jede Farbe ein Statement. Nichts fließt, nichts ordnet sich unter. Es ist, als hätten sich hier ästhetische Machtansprüche materialisiert.

Der Titel setzt den Ton: „Die Geschmackselite hat zugeschlagen.“ Das klingt nach Urteil. Nach Selektion. Nach einem unsichtbaren Gremium, das definiert, was gilt  und was nicht. Doch das Bild selbst verweigert sich dieser Hierarchie. Es wirkt wie eine ironische Demontage genau jener Instanz, die vorgibt, über Geschmack zu verfügen. Die geometrischen Elemente scheinen zufällig  und sind doch präzise gesetzt. Sie wirken spontan und sind doch komponiert. Genau darin liegt die Provokation: Wer entscheidet hier eigentlich über Qualität?

Das weiße Querformat durchschneidet die Komposition wie ein Balken, vielleicht eine Barriere, vielleicht ein Maßstab. Das aufragende Gelb behauptet sich wie eine Säule. Das rote Element wirkt wie ein Ausrufungszeichen. Und das Dreieck – spitz, fordernd – bringt Bewegung ins Gefüge. Alles steht in Spannung zueinander. Kein Element dominiert  und genau das ist die Botschaft.

Die Materialität verstärkt diesen Diskurs. Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten – das ist keine glatte, gefällige Oberfläche. Das ist Widerstand. Struktur. Körper. Die Textur des Violetts erzählt von Überlagerung, von Geschichte, von Tiefe. Darüber: klare Kanten, fast plakativ. Intuition trifft auf Kalkül. Emotion auf Konzept.

Dieses Werk ist kein dekoratives Statement. Es ist eine Haltung. Es fragt nicht, ob es gefällt. Es fragt, wer zu urteilen glaubt. Und es konfrontiert uns mit einer unbequemen Wahrheit: Geschmack ist Macht. Und Macht wird inszeniert.

Doch hier wird sie entlarvt. Mit Farbe. Mit Form. Mit Ironie.

„Die Geschmackselite hat zugeschlagen“ ist ein subtiles Manifest gegen das Diktat des Gefallens. Es ist eine Einladung, sich vom Urteil zu befreien – und die eigene Wahrnehmung zur Instanz zu machen.

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