Kalenderblatt 25. Juni

Kalenderblatt 25. Juni

Das Kalenderblatt zum 25. Juni
„Stille nach dem Lärm der Welt“
„Silence Beyond the World’s Noise“
„Silencio más allá del ruido del mundo“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Wir leben in einer Zeit, in der der Mensch von Geräuschen umstellt ist. Nicht nur von dem Lärm der Maschinen, der Straßen und der Medien, sondern vor allem von dem Lärm der Erwartungen. Wir sollen erfolgreich sein, sichtbar sein, informiert sein, reagieren, urteilen, Stellung beziehen. Die Welt verlangt unablässig nach unserer Aufmerksamkeit. Dabei verlieren viele Menschen den Kontakt zu jenem inneren Ort, an dem sie sich selbst noch begegnen können.

In diesem Bild geschieht etwas Seltenes: Es verweigert sich der Aufregung. Die weichen Blautöne, die ineinanderfließenden Horizonte und die fast verschwindenden Bergformen erzeugen keinen dramatischen Höhepunkt. Sie laden nicht zum Konsumieren ein. Sie verlangen nichts. Gerade darin liegt ihre Kraft.

Die Berge erscheinen wie Erinnerungen, die langsam aus dem Nebel auftauchen. Sie sind da, aber sie drängen sich nicht auf. Zwischen ihnen und dem Betrachter liegt ein Raum aus Licht, Wasser und Stille. Es ist jener Zwischenraum, den wir heute kaum noch kennen. Ein Raum, in dem nichts bewiesen werden muss und nichts erreicht werden soll.

Mich berührt an diesem Bild besonders seine psychologische Wahrheit. Stille ist nicht die Abwesenheit von Geräuschen. Stille entsteht dort, wo der innere Kampf für einen Augenblick endet. Viele Menschen suchen Frieden, indem sie die äußeren Umstände verändern wollen. Doch der eigentliche Frieden beginnt oft dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.

Die zarten Übergänge der Farben erinnern daran, dass auch die Seele keine scharfen Grenzen kennt. Angst geht in Hoffnung über, Trauer in Verständnis, Einsamkeit in Verbundenheit. Alles fließt. Alles verwandelt sich. Nur der moderne Mensch versucht ständig, die Dinge festzuhalten und zu kontrollieren. Dadurch erzeugt er oft genau den Lärm, vor dem er fliehen möchte.

Dieses Bild erzählt deshalb von einer Möglichkeit: dem Mut, für einen Augenblick aus dem Strom der Welt herauszutreten. Nicht um die Welt zu verlassen, sondern um ihr wieder begegnen zu können. Klarer. Menschlicher. Wahrhaftiger.

„Stille nach dem Lärm der Welt“ ist kein Rückzug. Es ist eine Rückkehr. Eine Rückkehr zu jenem inneren Horizont, an dem der Mensch entdeckt, dass er mehr ist als seine Sorgen, seine Rollen und seine Geschichte. Dort beginnt die Freiheit. Und dort beginnt vielleicht auch das, was wir Frieden nennen.

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Kalenderblatt
25. Juni

Monte Curiano gibt's nicht mehr

Das Kalenderblatt zum 25. Juni
“Monte Curiano gibt’s nicht mehr”
„Monte Curiano Exists No More“
„Monte Curiano ya no existe“

Aquarell, Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Monte Curiano gibt’s nicht mehr“ ist einer dieser Titel, die zunächst wie eine geografische Feststellung wirken, in Wahrheit aber von etwas viel Persönlicherem erzählen. Denn Berge verschwinden selten. Was verschwindet, sind Erinnerungen, Gewissheiten, Lebensabschnitte, Orte in uns selbst.

Über der Landschaft liegt ein glühender Horizont. Gelb, Rot und Orange brechen wie die letzten Funken eines Tages durch das Bild. Dort oben zeichnet sich schemenhaft eine kleine Silhouette ab, vielleicht eine Burg, vielleicht ein Dorf, vielleicht nur die Erinnerung an etwas, das einmal war. Darunter fließen Grün, Blau und Türkis ineinander, als würde die Landschaft bereits beginnen, sich aufzulösen. Nichts ist mehr klar abgegrenzt. Alles gerät in Bewegung.

Ein alter Mann kehrte nach vielen Jahren an den Ort seiner Jugend zurück. Damals war der Monte Curiano für ihn die Mitte der Welt gewesen. Von dort hatte er die Täler betrachtet, dort hatte er geliebt, geträumt, Pläne geschmiedet. Als er nun wiederkam, suchte er den vertrauten Anblick. Doch die Wege waren anders. Die Häuser verändert. Die Menschen fremd. Selbst der Hügel schien kleiner geworden zu sein.

Er setzte sich ins Gras und blickte lange schweigend auf die Hänge. Schließlich begriff er etwas Seltsames: Nicht der Monte Curiano war verschwunden. Verschwunden war der Mensch, der ihn einst gesehen hatte.

Der Berg existierte noch immer. Aber die Welt, die er mit ihm verband, war vergangen. Die Jahre hatten neue Schichten über die Erinnerung gelegt, so wie die Farben dieses Bildes sich übereinanderschieben. Was blieb, war keine Landschaft aus Stein und Erde, sondern eine Landschaft aus Erfahrungen.

Die feine blaue Linie, die das Bild durchzieht, wirkt wie eine Grenze zwischen zwei Welten. Oberhalb liegt das Erinnerte. Unterhalb das Gegenwärtige. Beide berühren sich, ohne jemals wieder ganz eins zu werden. Und doch entsteht gerade aus dieser Trennung eine neue Schönheit.

Vielleicht erzählt dieses Bild deshalb nicht vom Verlust eines Ortes, sondern von der Wandlung unserer Beziehung zu ihm. Manche Berge verschwinden nicht aus der Welt. Sie wandern lediglich aus der Geografie in die Seele.

So wird „Monte Curiano gibt’s nicht mehr“ zu einer stillen Meditation über Vergänglichkeit. Über die Erkenntnis, dass wir nicht zweimal an denselben Ort zurückkehren können. Und darüber, dass das Wertvollste oft nicht das ist, was geblieben ist, sondern das, was in uns weiterlebt, nachdem alles andere sich verändert hat.

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