Kalenderblatt
30. September

Happy Birthday Berti

Kalenderblatt vom 30. September

„Happy Birthday Berti“
„Feliz cumpleaños Berti“

Acryl, Acrylpaste, Quarzsand auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Ein Geburtstag ist mehr als ein Datum. Er ist ein kurzer Moment des Innehaltens zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was noch vor uns liegt.

„Happy Birthday Berti“ entstand als persönlicher Geburtstagsgruß und trägt diesen Anlass noch immer in sich. Doch das Bild erzählt längst eine größere Geschichte.

Über einer bewegten, erdigen Landschaft erscheint ein mächtiger rot-oranger Körper. Er erinnert an eine aufgehende Sonne, vielleicht auch an einen glühenden Planeten oder an etwas, das sich gerade erst aus dem Licht formt. Seine Gestalt ist rau, unregelmäßig und von Spuren durchzogen. Kein vollkommenes Gestirn, sondern eines, das gelebt zu haben scheint.

Darunter verdichten sich Blau, Grün, Rot, Ocker und Gold zu einer Landschaft, die keinen bestimmten Ort bezeichnet. Quarzsand und Acrylpaste geben ihr eine körperliche Präsenz. Die Oberfläche wird zu Erde, zu Gestein, zu Erinnerung. Farbe liegt nicht einfach auf dem Papier, sondern scheint sich abzulagern, aufzubrechen und wieder neu zusammenzufinden.

Zwischen dem leuchtenden Himmelsraum und der schweren, vielfarbigen Erde entsteht eine Spannung: oben Licht, unten Materie. Dazwischen der offene Raum eines neuen Morgens.

Vielleicht liegt genau hier die Verbindung zum Geburtstag.

Wir beginnen ein neues Lebensjahr schließlich nicht auf einem weißen Blatt. Wir nehmen alles mit: Erlebtes und Verlorenes, Freude und Enttäuschung, Spuren, Narben, Hoffnungen und all die kleinen Umwege, die sich im Nachhinein erstaunlicherweise „Lebensweg“ nennen.

Und trotzdem gibt es diesen Morgen.

Das Licht kehrt zurück.

Nicht weil alles wieder von vorne beginnt, sondern weil aus dem Gewordenen etwas Neues entstehen kann.

So ist „Happy Birthday Berti“ zwar aus einem persönlichen Anlass entstanden, doch der Geburtstagsgruß wird im Bild zu etwas Allgemeinerem: zu einem Zeichen für Lebenskraft, Wandlung und die immer wiederkehrende Möglichkeit des Neubeginns.

Ein neuer Morgen.
Ein weiteres Jahr.
Die Erde trägt ihre Spuren.
Und darüber beginnt das Licht von Neuem.

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30. September

Aus der Reihe tanzen

Kalenderblatt zum 30. September

“Aus der Reihe tanzen”
“Breaking ranks”
“Saliéndose de la fila”

Acryl, Glitter auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Zwei Formen begegnen sich in einem Raum, der an eine Landschaft erinnert und sich doch jeder eindeutigen Wirklichkeit entzieht. Ein heller Horizont durchzieht das Bild. Darüber und davor schweben zwei kreisförmige Körper, als folgten sie einer Ordnung, deren Gesetz wir nicht kennen.

Die große Form zieht den Blick zunächst auf sich. Gelb, Orange und Rot liegen konzentrisch ineinander, wie verschiedene Schichten von Licht, Wärme und Energie. Sie besitzt ein deutliches Zentrum, eine feste Ordnung. Alles scheint auf ihre leuchtende Mitte bezogen.

Doch abseits davon befindet sich eine zweite, kleinere Kugel. Dunkler, unruhiger, von zahllosen glitzernden Partikeln durchsetzt. Sie folgt nicht der klaren Ordnung der großen Kreisform. Sie hat ihren Platz verlassen oder vielleicht ihren eigenen erst gefunden.

Hier beginnt der Titel „Aus der Reihe tanzen“ seine eigentliche Bedeutung zu entfalten.

Denn das Bild erzählt nicht einfach davon, anders zu sein. Es stellt eine viel grundsätzlichere Frage: Was geschieht, wenn etwas eine bestehende Ordnung verlässt?

Die kleine Kugel könnte eine Abweichung sein. Ein Fremdkörper. Etwas, das nicht dorthin gehört. Doch ebenso könnte sie Ausdruck einer neu gewonnenen Freiheit sein. Sie muss nicht länger um dasselbe Zentrum kreisen. Sie darf Abstand gewinnen.

Und gerade in diesem Abstand wird etwas sichtbar.

Während die große Form offen leuchtet, trägt die kleinere ihr Licht auf andere Weise. Der Glitter fängt das Licht in unzähligen winzigen Punkten ein. Was aus der Ferne dunkel erscheint, beginnt aus der Nähe zu funkeln. Das Abweichende besitzt sein eigenes Licht.

Vielleicht liegt darin die stille Spannung dieses Bildes: Individualität entsteht nicht zwangsläufig durch Trennung. Man kann Teil eines größeren Zusammenhangs bleiben und dennoch eine eigene Position einnehmen.

„Aus der Reihe tanzen“ ist deshalb kein Aufruf zur Rebellion. Es ist ein Bild über den Mut zur Eigenständigkeit.

Über jenen Moment, in dem wir aufhören, uns ausschließlich an vorgegebenen Bahnen zu orientieren. Über den Abstand, der notwendig sein kann, um die eigene Gestalt überhaupt erkennen zu können.

Und vielleicht erzählt die kleine glitzernde Kugel am Ende etwas sehr Einfaches:

Man muss nicht dasselbe Zentrum haben, um zu leuchten.

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