Kalenderblatt
24. April

Osterspaziergang 2011

Kalenderblatt vom 24. April
“Osterspaziergang 2011”
“Easter parade 2011”
“Desfile de Pascua 2011”

Gesso, Tusche auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es war ein Morgen, der sich nicht entscheiden konnte, ob er schon zur Welt gehörte oder noch ein Traum war. Der Himmel hing wie ein unausgesprochener Gedanke über der Landschaft, und irgendwo zwischen Atem und Erwachen begann der alte Weg, der jedes Jahr nur einmal sichtbar wurde, am Tag des Osterspaziergangs.

Er trat hinaus, ohne zu wissen, warum gerade heute. Der Boden unter seinen Füßen fühlte sich vertraut und doch neu an, als hätte jemand die Welt in der Nacht leise umgeschrieben. Ein schwarzer, geschwungener Pfad zog sich vor ihm entlang, nicht gerade, nicht logisch, eher wie eine Frage, die sich selbst stellt. Er folgte ihr.

Links, kaum sichtbar, flackerte ein Zeichen auf, ein rotes, unruhiges Fragment, wie ein vergessenes Wort aus einer Sprache, die nur das Herz versteht. Es vibrierte, als wolle es warnen oder erinnern, doch er ging weiter. Denn vor ihm begann etwas zu leuchten.

Zuerst war es nur ein Wirbel. Ein gelbes Kreisen im Inneren eines dunklen Bogens, wie ein Auge, das sich langsam öffnet. Er blieb stehen. In diesem Moment wurde ihm klar: Das war kein Ort. Das war ein Übergang. Ein Punkt, an dem das Alte sich löst und das Neue noch nicht weiß, welche Form es annehmen will.

Und dann sah er sie.

Eine Blüte, oder war es ein Zeichen? Vier kraftvolle Schleifen, ineinander verschlungen, gehalten von Linien, die zugleich fest und fragil wirkten. In ihrem Inneren glühte Rot. Nicht aggressiv, nicht laut, sondern lebendig. Wie das erste Blut nach einem langen Winter. Wie Herzschläge, die sich erinnern, dass sie schlagen dürfen.

Er trat näher, und die Linien begannen sich zu bewegen. Nicht sichtbar, aber spürbar. Die Welt war nicht mehr still. Sie war im Werden.

Da verstand er.

Der Osterspaziergang war kein Spaziergang durch die Landschaft. Er war ein Gang durch das eigene Innere. Der schwarze Weg war seine Vergangenheit, verschlungen, widersprüchlich, aber tragend. Das rote Zeichen war das Unverarbeitete, das Unausgesprochene. Der gelbe Wirbel war die Erkenntnis, die sich ankündigt, leise, aber unaufhaltsam.

Und die Blüte?

Die Blüte war das Versprechen.
Dass aus Chaos Form wird.
Dass aus Dunkelheit Bewegung entsteht.
Dass aus dem, was war, etwas völlig Neues erwachsen kann.

Er schloss die Augen.

Als er sie wieder öffnete, war der Weg verschwunden.

Doch etwas war geblieben.

Ein inneres Leuchten, das nicht mehr vergehen wollte.

——————
Du kannst dieses Original kaufen:
Endpreis gemäß §19 UStG: 250.- Euro
Zahlung per PayPal oder Überweisung:
Gib im PayPal-Fenster bitte den Bildtitel an.
Versand innerhalb Deutschland kostenfrei 3–5 Tage
Widerrufsrecht 14 Tage (Details siehe Widerrufsbelehrung
——————
Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
23. April

Geh durch die Tür

Das Kalenderblatt zum 23. April

“Geh durch die Tür”
“Go through the door”
“Pasa por la puerta”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

Es war nie die Tür selbst, die die Menschen zögern ließ, es war das, was sie in sich trugen, wenn sie vor ihr standen. Diese Tür, leuchtend wie ein verdichteter Sonnenrest, eingebettet in ein Meer aus tiefem, fast unergründlichem Blau, erschien jedem anders. Für manche war sie eine Einladung. Für andere ein Urteil. Doch für ihn war sie etwas Drittes: eine Frage, die nicht ausgesprochen werden konnte.

Er war nicht zufällig hier. Niemand war das. Der Weg hatte ihn durch Jahre geführt, durch Entscheidungen, die sich richtig anfühlten und doch falsch endeten, durch Begegnungen, die wie Zufälle wirkten und sich später als Wegweiser entpuppten. Und nun stand er da, vor diesem schmalen, dunklen Spalt, umrahmt von einem Gold, das nicht glänzte, sondern leise brannte wie eine Erinnerung.

„Geh durch die Tür“, hatte die Stimme gesagt. Nicht laut, nicht drängend. Mehr wie ein Gedanke, der plötzlich Gewicht bekommt.

Er trat näher. Die Oberfläche vibrierte, als wäre sie nicht aus Materie, sondern aus verdichtetem Erleben. In der dunklen Öffnung lag kein Schatten, sondern Tiefe. Keine Leere, sondern ein Raum, der ihn kannte. Und genau das war es, was ihn zögern ließ.

Denn was, wenn auf der anderen Seite nichts Neues wartete? Was, wenn er dort nicht jemand anderes wurde, sondern endlich der, der er immer schon war?

Seine Hand hob sich, zögerlich zuerst, dann entschlossener. Die Luft vor der Tür fühlte sich dichter an, fast wie Wasser. Mit jeder Bewegung spürte er, wie etwas in ihm zurückblieb. Zweifel. Rollen. Geschichten, die er über sich selbst erzählt hatte. Die Tür begann nicht vor ihm, sie begann in ihm.

Ein letzter Gedanke flackerte auf: Was verliere ich, wenn ich gehe?

Doch eine leisere, tiefere Antwort formte sich darunter:
Alles, was nie wirklich deins war.

Er trat hindurch.

Kein Lichtblitz. Kein Donner. Kein dramatischer Übergang. Nur ein Moment absoluter Stille  und dann ein Gefühl, das er lange nicht mehr gespürt hatte: Klarheit. Nicht als Idee, sondern als Zustand. Als wäre das Blau hinter ihm nicht verschwunden, sondern in ihm aufgegangen. Als wäre das Gold kein Rahmen gewesen, sondern ein Schwellenfeuer, das ihn gereinigt hatte.

Als er sich umdrehte, war keine Tür mehr da.

Nur ein Wissen:
Es gibt keinen Weg zurück, weil es nie einen gab.

——————
Du kannst dieses Original kaufen:
Endpreis gemäß §19 UStG: 250.- Euro
Zahlung per PayPal oder Überweisung:
Gib im PayPal-Fenster bitte den Bildtitel an.
Versand innerhalb Deutschland kostenfrei 3–5 Tage
Widerrufsrecht 14 Tage (Details siehe Widerrufsbelehrung
——————
Teile diesen Beitrag