Kalenderblatt
26. Februar

Der letzte Schneeball dieses Winters fliegt in Herrn Kornprobsts Schlafgemach

Das Kalenderblatt zum 26. Februar
“Der letzte Schneeball dieses Winters fliegt in Herrn Kornprobsts Schlafgemach”
“The last snowball of this winter flies in the bed-chamber of Mr. Kornprobst”
“El último viburno de este invierno esta volando en el dormitorio de Sr. Kornprobst”

Aquarell auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm

„Der letzte Schneeball dieses Winters fliegt in Herrn Kornprobsts Schlafgemach“ – schon der Titel ist eine Provokation, ein Augenzwinkern, eine leise Revolte gegen das Alltägliche. Dieses Aquarell entfaltet keine bloße Szenerie, sondern ein psychologisches Klima. Auf zartem Aquarellbütten von etwa 21 x 15 cm entsteht eine Welt zwischen Traum und Erwachen, zwischen Kälte und Erwartung, zwischen Abschied und Anfang.

Im Zentrum schwebt eine fahle, gelbliche Scheibe, sie ist Mond und Schneeball zugleich, Himmelskörper und kindlicher Wurf, kosmische Ordnung und anarchischer Impuls. Dieses Rund ist kein statisches Objekt, sondern ein Ereignis. Es trägt die Spannung des Moments in sich: Ist es eben erst geworfen worden? Oder steht es still, eingefroren im Augenblick vor dem Aufprall? Das Licht, das aus ihm quillt, ist nicht rein weiß, sondern warm gebrochen, ein Winterlicht, das bereits vom Frühling weiß.

Umgeben wird diese kreisrunde Präsenz von einem atmosphärischen Flirren aus Blau-, Grau- und grünlichen Schleiern. Die Farben verlaufen, zerfasern, verdichten sich wieder, wie Atem an einer kalten Fensterscheibe. Hier malt nicht die Hand allein, hier malt das Wasser. Pigment und Feuchtigkeit gehen eine Allianz ein, die an Nebel erinnert, an aufziehende Gedanken, an das Unbewusste. Nichts ist hart konturiert, alles scheint in Bewegung, als würde der Raum selbst zittern.

Und dann dieser Titel: Herr Kornprobst. Ein Name wie aus einer anderen Zeit, bürgerlich, solid, vielleicht ein wenig steif. Sein „Schlafgemach“ – ein Wort voller Intimität und alter Würde – wird zum Ziel eines Schneeballs. Was hier geschieht, ist mehr als ein Streich. Es ist das Eindringen des Ungebändigten in die Ordnung. Der letzte Schneeball des Winters ist ein Symbol für das Unabgeschlossene, das sich noch einmal meldet, bevor es endgültig vergeht. Ein letztes Aufbegehren der Kälte, ein letzter Gruß der Kindheit, bevor der Ernst des Frühlings beginnt.

Das Aquarell lebt von der Spannung zwischen Sanftheit und Subversion. Die weichen Übergänge täuschen, in Wahrheit erzählt das Bild von einem Impuls, der Grenzen überschreitet. Der Kreis links wirkt beinahe wie ein Fenster oder eine Öffnung im Raum. Ist es der Blick von außen nach innen? Oder von innen nach außen? Die Perspektive bleibt bewusst ambivalent  und genau darin liegt ihre Kraft.

Die Größe des Formats verstärkt die Intimität. 21 x 15 cm, fast ein Geheimnis in Papierform. Kein monumentales Statement, sondern eine leise Intervention. Man tritt näher heran, wird hineingezogen in diese schwebende Atmosphäre, spürt die Kühle der Farbschichten und zugleich das verborgene Leuchten im Zentrum.

Dieses Werk ist kein Winterbild im klassischen Sinne. Es ist ein Bild über Übergänge. Über das letzte Mal. Über den Moment, in dem etwas endet  und gerade dadurch unvergesslich wird. Der letzte Schneeball ist Erinnerung, Widerstand und Verheißung zugleich. Und während er durch die Nacht fliegt, trifft er vielleicht weniger ein Fenster als vielmehr unser eigenes Bedürfnis nach einem kleinen, mutigen Aufruhr im Geordneten.

Ein Aquarell, das flüstert und gerade deshalb lange nachhallt.

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Aus meinem Skizzenbuch

“Der Gockel vor der Hinrichtung zur Verwendung auf dem Grill”
“The rooster before execution for use on the grill.”
“El gallo antes de la ejecución para su uso en la parrilla.”

Graphit auf Zeichenpapier ca 18x15cm

 

„Der Gockel vor der Hinrichtung zur Verwendung auf dem Grill“ ist keine bloße Skizze, sondern ein verdichteter Augenblick zwischen Leben und Zweck.

Der Gockel steht nicht, er richtet sich auf. Die Linien sind Bewegung, sie steigen hinter ihm empor wie Rauch oder Seele. Noch ist nichts geschehen, und doch liegt alles in der Luft. Das Bild zeigt nicht die Tat, sondern das Davor, den Moment absoluter Spannung.

In der radikalen Reduktion auf Schwarz und Weiß entsteht Würde. Kein Pathos, kein Spektakel. Der Hals gestreckt, die Krone erhoben,  fast majestätisch. Als wüsste er um sein Schicksal und nähme es an. Hier wird kein Objekt gezeigt, sondern ein Subjekt.

Gerade der nüchterne Titel entlarvt die Logik der Verwertung. „Zur Verwendung“, ein Leben als Funktion. Doch die kraftvolle, organische Linienführung widerspricht dieser Kälte. Sie verleiht dem Tier Präsenz, Individualität, Charakter. Was konsumiert werden soll, erscheint unantastbar.

Der kaum angedeutete Boden verstärkt die Fragilität des Moments. Ein schmaler Grat zwischen Sein und Verwertetwerden. Und im leeren Raum um ihn herum entsteht Stille, konzentriert, unausweichlich.

So wird der Gockel zur Metapher: für alles Lebendige, das wir funktionalisieren und das sich im entscheidenden Augenblick noch einmal aufrichtet.

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