Kalenderblatt
9. Juni

Was steckt dahinter? Denk nach!

Kalenderblatt vom 9. Juni
“Was steckt dahinter? Denk nach!”
“What’s behind all this? Think about!”
“¿Qué se esconde detrás? Contemplalo!”

Acryl, Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Das Werk entzieht sich jeder schnellen Erklärung. Es wirkt auf den ersten Blick reduziert, beinahe schlicht und gerade darin liegt seine Kraft. Denn dieses Werk stellt keine Antworten bereit. Es stellt eine Frage. Eine Frage, die weit über die sichtbaren Formen hinausweist.

Das intensive Gelb im oberen Bereich erinnert an Licht, Bewusstsein oder Erkenntnis. Es ist kein sanftes Leuchten, sondern eine Präsenz, die den gesamten Raum erfüllt. Darunter breitet sich ein tiefes Blau aus, ein Meer der Gefühle, des Unbewussten, der inneren Tiefe. Zwischen beiden Ebenen liegt eine dunkle, violett-schwarze Form, die wie ein Hügel, eine Grenze oder ein Schleier erscheint. Sie trennt nicht nur zwei Farbräume voneinander, sondern symbolisiert auch die Schwelle zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir noch nicht erkannt haben.

Besonders auffällig ist der rote vertikale Balken, der das Bild durchschneidet wie ein Ausrufezeichen. Er steht dort unbeirrbar, klar und kompromisslos. Er könnte ein Wegweiser sein, ein Signal, eine Warnung oder der Hinweis auf etwas, das unsere Aufmerksamkeit fordert. Während die übrigen Formen weich und organisch erscheinen, erhebt sich diese rote Linie als bewusster Eingriff. Sie fordert den Betrachter auf, innezuhalten und genauer hinzusehen.

Das Bild erzählt von der menschlichen Neigung, sich mit der Oberfläche zufriedenzugeben. Wir sehen Farben, Formen und Strukturen  und glauben zu wissen, was vor uns liegt. Doch das Werk widerspricht dieser Gewohnheit. Es flüstert: „Hinter jeder Erscheinung verbirgt sich eine weitere Ebene.“ Hinter jeder Meinung eine tiefere Wahrheit. Hinter jeder Gewissheit eine neue Frage.

Die Komposition erinnert an einen Horizont, hinter dem etwas verborgen liegt. Vielleicht ein Geheimnis. Vielleicht eine Erkenntnis. Vielleicht ein Teil von uns selbst. Die dunkle Form wirkt wie ein Vorhang, der etwas verdeckt, während das Gelb darüber bereits von einer Wirklichkeit kündet, die noch nicht vollständig sichtbar geworden ist.

„Was steckt dahinter? Denk nach!“ ist deshalb mehr als ein Titel. Es ist eine Einladung zur Selbstbefragung. Das Bild fordert nicht dazu auf, etwas Bestimmtes zu erkennen. Es fordert dazu auf, überhaupt wieder zu fragen. Es erinnert daran, dass Erkenntnis dort beginnt, wo Gewohnheit endet.

So wird dieses Werk zu einem Spiegel unserer inneren Suche. Es spricht von Neugier, von Bewusstsein und von dem Mut, hinter die Fassaden der Welt zu schauen. Denn vielleicht liegt die entscheidende Antwort nicht hinter dem Hügel, nicht hinter der roten Linie und nicht hinter dem Horizont. Vielleicht liegt sie in dem Moment, in dem wir beginnen, wirklich hinzusehen.

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Kalenderblatt
9. Juni

Der Teufel der Nacht

Das Kalenderblatt zum 9. Juni
“Der Teufel der Nacht”
“El diablo de la noche”
“The Devil of the Night”

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

Es war einmal in einer Zeit, als die Nächte noch Geheimnisse bargen, die kein Mensch zu benennen wagte. Tief hinter den Bergen, dort, wo die letzten Sonnenstrahlen in dunklen Schluchten versanken, lebte ein Wesen, das man nur den Teufel der Nacht nannte.

Niemand wusste genau, wie er aussah. Manche behaupteten, er bestehe aus Feuer und Schatten zugleich. Andere erzählten, sein Leib sei aus den Ängsten der Menschen gewebt. Doch alle Geschichten hatten eines gemeinsam: Wenn die Nacht am dunkelsten war, erschien über den Wäldern ein glühender Bogen aus Gold und Rot, als hätte jemand eine brennende Spur an den Himmel gemalt.

In einem kleinen Dorf am Rand dieser Wälder lebte ein junger Hirte namens Aron. Er hatte keine Angst vor der Dunkelheit, denn er glaubte, dass hinter jeder Furcht eine Wahrheit verborgen lag. Als eines Abends der goldrote Schein erneut über den Himmel zog, beschloss er, dem Geheimnis zu folgen.

Je tiefer Aron in den Wald gelangte, desto stiller wurde die Welt. Die Bäume schienen den Atem anzuhalten. Schließlich erreichte er eine Lichtung, auf der sich die Schatten wie schwarze Wellen bewegten. Dort erhob sich die Gestalt des Teufels der Nacht.

Seine Augen glühten wie geschmolzenes Kupfer, und um ihn herum wirbelten rote Funken wie aufgescheuchte Vögel. Über seinem Haupt spannte sich ein gewaltiger Bogen aus goldenem Licht, der zugleich wie eine Krone und wie eine drohende Klaue wirkte.

„Warum verfolgst du mich?“, fragte das Wesen mit einer Stimme, die wie fernes Donnern klang.

„Weil ich wissen möchte, wer du wirklich bist“, antwortete Aron.

Da lachte der Teufel der Nacht. „Seit Jahrhunderten fürchten mich die Menschen. Sie geben mir Namen, malen mich als Monster und erzählen Geschichten über mein Verderben. Doch niemand fragt, warum ich existiere.“

Mit einer Bewegung seiner Hand öffnete sich die Dunkelheit wie ein Vorhang. Aron sah darin die Sorgen der Menschen, ihre verdrängten Träume, ihre ungeweinten Tränen und ihre unausgesprochenen Wahrheiten.

„Ich bin nicht der Herr der Nacht“, sagte das Wesen leise. „Ich bin ihr Spiegel. Alles, was die Menschen nicht ansehen wollen, wächst in meinem Reich.“

Da verstand Aron. Der Teufel war nicht gekommen, um die Welt zu zerstören. Er war entstanden aus allem, was die Menschen vor sich selbst verborgen hatten.

Mutig trat Aron näher. Statt davonzulaufen, blickte er in die flammenden Augen des Wesens. In diesem Augenblick begann das rote Feuer zu verblassen. Die scharfen Konturen lösten sich auf, und aus dem bedrohlichen Schatten wurde eine Gestalt aus warmem Licht.

Denn jede Angst, die erkannt wird, verliert ihre Macht.

Als die ersten Strahlen des Morgens den Horizont berührten, war der Teufel der Nacht verschwunden. Zurück blieb nur ein goldener Schimmer am Himmel, wie die Erinnerung an einen Traum.

Aron kehrte ins Dorf zurück und erzählte den Menschen, was er gesehen hatte. Viele glaubten ihm nicht. Doch einige begannen, ihren eigenen Schatten ins Gesicht zu sehen, statt vor ihm davonzulaufen.

Und seit jener Zeit erscheint der goldrote Bogen nur noch selten am Himmel. Doch wenn er auftaucht, erinnern sich die Alten an die Legende und sagen:

„Fürchte nicht den Teufel der Nacht. Fürchte nur die Dunkelheit, die du nicht bereit bist anzuschauen. Denn hinter ihr wartet bereits das Licht.“

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