
Kalenderblatt vom 16. Juni
„Klang der Stille“
‚“Sound of Silence“
„El sonido del silencio“
Tusche, Aquarell auf Bambuspapier ca. 21 x 15 cm
„Klang der Stille“ wirkt auf den ersten Blick schlicht und gerade darin liegt seine Kraft. Eine leuchtende goldgelbe Scheibe schwebt über wenigen, dunklen Tuschestrichen, die wie Wellen, Schwingungen oder unsichtbare Klangbahnen durch den Raum ziehen. Das Bild erinnert an einen Sonnenaufgang, an einen Gong, an einen Zen-Kreis oder an den ersten Ton, der aus der Stille geboren wird.
Die Verbindung zum berühmten Song The Sound of Silence von Simon & Garfunkel eröffnet eine weitere Ebene. Dort wird die Stille nicht als Abwesenheit von Klang beschrieben, sondern als ein Raum, in dem die wesentlichen Botschaften verborgen liegen. Auch dieses Bild scheint zu fragen: Was hörst du, wenn alles Äußere verstummt?
Die schwarze Tusche wirkt wie die sichtbare Spur unsichtbarer Schwingungen. Sie erinnert an Klangwellen, die sich über Wasser ausbreiten, an Resonanzen, die nicht mit den Ohren, sondern mit dem Inneren wahrgenommen werden. Die gelbe Form darüber strahlt Wärme, Bewusstsein und Gegenwärtigkeit aus. Sie ist zugleich Sonne, Auge und Klangkörper, ein Zentrum, aus dem die Stille selbst zu sprechen scheint.
„Klang der Stille“ erzählt von jenem paradoxen Moment, in dem das Schweigen lauter wird als jedes Wort. Von Augenblicken, in denen wir aufhören zu suchen und plötzlich beginnen zu hören. Nicht den Lärm der Welt, sondern das feine Flüstern hinter allen Erscheinungen.
Wie im Lied von Simon & Garfunkel entsteht hier ein Spannungsfeld zwischen Leere und Bedeutung, zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen dem Ungesagten und dem, was dennoch verstanden wird. Das Bild lädt dazu ein, für einen Moment innezuhalten und in jene innere Landschaft einzutreten, in der Stille nicht leer ist, sondern voller Möglichkeiten.
Vielleicht ist der Klang der Stille nichts anderes als die Stimme der Seele, die endlich wieder gehört werden kann.
