Kalenderblatt
13. September

Akademische See

Kalenderblatt zum 13. September
„Akademische See“

„Academic sea“
„Mar académico“

Acryl, Bleistift und Goldpaste auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

Das Bild beginnt mit einem Widerspruch: Eine See lässt sich nicht ordnen.

Blau, Türkis und Weiß schieben sich übereinander, brechen auf, verdichten sich und lösen sich wieder. Die Farbe wird zu Strömung, Tiefe und Bewegung. Man kann darin Wasser erkennen, vielleicht Gischt, vielleicht einen Himmel im Sturm. Doch kaum glaubt man, eine Landschaft gefunden zu haben, entzieht sie sich wieder.

In diese bewegte Welt sind zwei goldene geometrische Formen gesetzt.

Sie folgen einer vollkommen anderen Sprache.

Während die Malerei fließt, sind sie präzise. Während das Blau seine Richtung immer wieder verändert, scheinen sie entschieden. Sie wirken wie Schnitte, Wegweiser oder Zeichen einer Ordnung, die in etwas Unüberschaubares hineingesetzt wurde.

Auch die feinen Bleistiftlinien und Schriftspuren gehören zu dieser zweiten Ebene. Sie erinnern an Notizen, Skizzen, Gedanken oder Formeln. Das Denken schreibt sich in die Bewegung ein.

Doch es beherrscht sie nicht.

Gerade darin liegt für mich die Spannung des Titels „Akademische See“. Das Akademische steht für den menschlichen Versuch, Wirklichkeit zu untersuchen, zu benennen, zu vermessen und in Systeme zu bringen. Die See dagegen bleibt beweglich. Sie kennt keine Definition und hält sich an keine Ordnung, die wir ihr auferlegen.

Vielleicht lässt sich auch Erkenntnis so verstehen.

Wir setzen Begriffe in die Welt. Wir ziehen Linien. Wir schaffen Kategorien und entwickeln Systeme. Für einen Augenblick scheint etwas geklärt. Doch hinter jeder Antwort öffnet sich ein neuer Raum des Unbekannten.

Das Gold bekommt dadurch eine besondere Bedeutung. Es muss nicht für eine fertige Wahrheit oder eine höhere Erkenntnis stehen. Viel spannender erscheint es als Behauptung von Klarheit innerhalb des Ungewissen.

Zwei feste Zeichen in einem Raum, der sich jeder endgültigen Festlegung widersetzt.

Und vielleicht stellt das Bild deshalb weniger die Frage, was wir wissen, als vielmehr:

Wie viel Ordnung brauchen wir, um uns im Unbekannten zu orientieren? Und wie viel Ungewissheit müssen wir zulassen, damit überhaupt neue Erkenntnis entstehen kann?

So wird „Akademische See“ zu einem Bild über das Verhältnis von Wissen und Geheimnis, Ordnung und Bewegung, Denken und unmittelbarer Erfahrung.

Der Mensch zeichnet seine Zeichen in die Welt und hofft, sie damit ein wenig besser zu verstehen.

Doch die See bewegt sich weiter.

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Kalenderblatt
13. September

Herr Surbier versucht verzweifelt die Botschaft der Uranier zu entschlüsseln

Kalenderblatt vom 13. September
„Herr Surbier versucht verzweifelt die Botschaft der Uranier zu entschlüsseln“
„Mr. Surbier tries desperately to decrypt the message of the Uranians“
„Señor Surbier intenta desoladamente descodificar el mensaje de los Uranos“

Tusche, Aquarell, auf Aquarellpapier ca. 21 x 15 cm

Herr Surbier hat ein Problem.

Irgendetwas wurde ihm mitgeteilt. Woher die Botschaft kommt, wissen wir nicht. Was die Uranier ihm sagen wollen, offenbar ebenso wenig. Sicher scheint nur: Herr Surbier arbeitet daran. Mit beträchtlichem Aufwand.

Im Zentrum des Bildes verdichten sich schwarze Linien, technische Formen, Kreise, Kästen und kleine farbige Signale zu einer eigentümlichen Konstruktion. Sie könnte eine Empfangsapparatur sein, eine Maschine, ein Denkmodell oder vielleicht alles gleichzeitig.

Herr Surbier versucht zu ordnen, zu prüfen, zu unterscheiden und schließlich zu verstehen.

Doch während dort noch analysiert und entschlüsselt wird, geschieht im übrigen Bild etwas völlig anderes.

Die Welt beginnt zu fließen.

Rot, Gelb, Violett und Blau ziehen in breiten Bahnen durch den Bildraum. Schwarze Linien winden sich dazwischen, Formen öffnen und überlagern sich, Strukturen scheinen sich aufzubauen, nur um im nächsten Moment wieder auseinanderzufallen.

Die Botschaft, nach der Herr Surbier so angestrengt sucht, scheint längst überall vorhanden zu sein.

Nur spricht sie nicht seine Sprache.

Vielleicht liegt genau darin seine Verzweiflung.

Er erwartet Zeichen, die sich übersetzen lassen. Einen Code. Eine Ordnung. Eine eindeutige Bedeutung. Doch das, was ihm begegnet, antwortet nicht in Worten oder logischen Zusammenhängen. Es erscheint als Farbe, Rhythmus, Bewegung und Energie.

Damit werden auch die geheimnisvollen „Uranier“ interessant.

Sie müssen keineswegs nur Bewohner eines fernen Planeten sein. Sie können ebenso für etwas Fremdes stehen, das außerhalb unserer gewohnten Wahrnehmung liegt: für eine andere Wirklichkeit, die sich bemerkbar macht, ohne sich vollständig erklären zu lassen.

Und plötzlich bekommt die skurrile Situation eine ernstere Dimension.

Herr Surbier sucht nach einer Information, während ihm möglicherweise eine Erfahrung begegnet.

Darin steckt etwas sehr Menschliches. Wir möchten verstehen, benennen und einordnen. Wir entwickeln Begriffe und Systeme, bauen gedankliche Apparaturen und hoffen, dass sich das Unbekannte irgendwann in etwas Bekanntes übersetzen lässt.

Doch vielleicht funktioniert Erkenntnis nicht immer so.

Vielleicht gibt es Wirklichkeiten, die sich nicht entschlüsseln lassen, weil es gar keinen Schlüssel gibt.

Vielleicht besteht die eigentliche Aufgabe darin, für einen Augenblick darauf zu verzichten, alles verstehen zu wollen, und stattdessen wahrzunehmen, was geschieht.

Genau hier treffen sich für mich Humor und Erkenntnissuche in diesem Bild. Herr Surbiers verzweifelte Bemühungen wirken komisch. Gleichzeitig berühren sie eine grundlegende Frage: Was geschieht mit uns, wenn wir etwas begegnen, das größer ist als unsere Fähigkeit, es begrifflich zu erfassen?

Vielleicht liegt die Ironie am Ende sogar bei den Uraniern.

Denn während Herr Surbier noch seine Apparatur bedient, Zeichen vergleicht und fieberhaft nach dem richtigen Code sucht, könnte ihre Botschaft längst angekommen sein.

Während Herr Surbier noch versucht, die Botschaft der Uranier zu entschlüsseln, hat sie längst begonnen, durch seine Welt zu fließen.


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