Kalenderblatt
17. Oktober

Kalenderblatt 17. Oktober

Das Kalenderblatt zum 17. Oktober
„Chronik des Sonnenkindes, das die Schatten überwand und das Lied der Welt erweckte“
“Chronicle of the Sun Child Who Overcame the Shadows and Awakened the Song of the World”
“Crónica del Hijo del Sol que Venció las Sombras y Despertó el Canto del Mundo”

Aquarell auf Aquarellpapier ca 21 x 15 cm

Das Sonnenkind
Über das Erwachen des Lichts

Manchmal beginnt etwas Neues, lange bevor wir es erkennen. Ein kaum wahrnehmbares Leuchten, eine Bewegung im Verborgenen, eine Ahnung von etwas, das Gestalt annehmen möchte.

In diesem Aquarell scheint ein solches Geschehen sichtbar zu werden.

Aus einem Geflecht von Linien, Farben und fließenden Formen erhebt sich eine leuchtende Gestalt. Orange und Gold verdichten sich zu einem warmen, beinahe lebendigen Körper. Ist es eine Sonne, die gerade geboren wird? Eine Frucht, die heranreift? Oder etwas noch Namenloses, das sich zum ersten Mal dem Licht entgegenstreckt?

Die Antwort bleibt offen.

Um dieses leuchtende Zentrum entfaltet sich eine eigentümliche Welt. Zarte Linien wachsen wie Zweige aus dem Boden, geschwungene Formen erinnern an Pflanzen, Wurzeln oder geheimnisvolle Wesen. Blau und Violett bilden einen kühlen Gegenpol zur Wärme des aufsteigenden Lichts. Alles scheint miteinander verbunden und doch seinen eigenen Bewegungen zu folgen.

Es ist eine Welt im Werden.

Vielleicht erzählt das Bild von jenem Augenblick, in dem etwas aus dem Unbewussten ins Bewusstsein tritt. Nicht als plötzliche Offenbarung, sondern als behutsames Erwachen. Was lange verborgen war, beginnt sich zu zeigen. Was noch keine Gestalt besaß, findet allmählich seine Form.

Das Sonnenkind wäre dann kein Wesen außerhalb von uns, sondern ein Sinnbild für jene ursprüngliche Lebendigkeit, die wir im Laufe unseres Lebens so leicht aus den Augen verlieren. Für unsere Fähigkeit zu staunen, zu entdecken und immer wieder neu zu beginnen.

Doch das Licht steht hier nicht im Kampf mit der Dunkelheit. Beide gehören zusammen. Die kühlen Schatten geben der Wärme ihre Tiefe, die unruhigen Linien verleihen der leuchtenden Mitte ihre Ruhe. Nichts muss überwunden werden, damit etwas Neues entstehen kann. Vielmehr scheint alles an dieser Verwandlung beteiligt zu sein.

Gerade darin liegt für mich die stille Poesie dieses Aquarells.

Es erzählt nicht von einer vollkommenen Welt, sondern von einer lebendigen. Einer Welt, in der das Unfertige seinen Platz hat, in der Gegensätze einander berühren und in der das Unerwartete jederzeit möglich bleibt.

Vielleicht ist das Sonnenkind deshalb auch eine Erinnerung an uns selbst.

An das, was in uns noch nicht gelebt wurde.

An das, was in uns noch nicht gelebt wurde.

An das, was darauf wartet, entdeckt zu werden.

Und an die wunderbare Möglichkeit, dass in jedem Menschen etwas Neues geboren werden kann.

Nicht das Licht am Ende des Weges, sondern das Licht, das im Gehen entsteht.

Teile diesen Beitrag

Kalenderblatt
17. Oktober

Kalenderblatt 17. Oktober

Das Kalenderblatt zum 17. Oktober
„Das Geheimnis der Goldenen Burg“
„The Secret of the Golden Castle“
„El Secreto del Castillo Dorado“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 20 x 15 cm

Es gibt Orte, die auf keiner Landkarte verzeichnet sind. Orte, die wir nicht betreten können, indem wir uns auf den Weg machen, sondern nur, indem wir beginnen, nach innen zu schauen.

Einer dieser Orte ist die Goldene Burg.

Sie liegt verborgen hinter den Mauern unserer Gewohnheiten, hinter den Bildern, die wir uns von uns selbst geschaffen haben, hinter den Ängsten, Hoffnungen und Erinnerungen eines ganzen Lebens.

Manchmal, in seltenen Augenblicken der Stille, ahnen wir ihre Gegenwart. Ein kaum wahrnehmbares Leuchten, ein inneres Wissen, eine Sehnsucht, deren Ursprung wir nicht benennen können.

Es ist, als würde etwas in uns darauf warten, entdeckt zu werden.

Im Bild verdichten sich Farben und Strukturen zu einer geheimnisvollen Landschaft. Dunkle, erdige Schichten durchziehen das Geschehen. Linien steigen auf, brechen ab, verlieren sich im Ungewissen. Dazwischen entfaltet sich ein glühendes Licht aus Gold, Orange und tiefem Rot.

Es scheint aus der Tiefe des Bildes hervorzubrechen, als würde sich hinter den sichtbaren Schichten eine andere Wirklichkeit offenbaren.

Doch dieses Licht ist nicht einfach da. Es muss sich seinen Weg bahnen. Es begegnet Widerständen, durchdringt Verdichtungen, verwandelt Dunkelheit in leuchtende Gegenwart.

Darin liegt das eigentliche Geheimnis der Goldenen Burg.

Sie ist kein Zufluchtsort, an dem wir uns vor der Welt verbergen können. Sie ist auch kein Besitz, den wir durch Wissen, Anstrengung oder Willenskraft erwerben.

Sie ist das Sinnbild eines inneren Zentrums, das nicht geschaffen werden muss, weil es seinem Wesen nach bereits vorhanden ist.

Der Weg dorthin führt nicht über Eroberung, sondern über Erkenntnis. Nicht über das Festhalten, sondern über das Loslassen. Nicht über die Vergrößerung des eigenen Ichs, sondern über die Bereitschaft, dessen Grenzen zu erkennen.

So wird die Goldene Burg zum Ort einer stillen Verwandlung.

Was zunächst wie eine unüberwindbare Mauer erscheint, kann zur Schwelle werden. Was uns gefangen hielt, verliert seine Macht. Und was lange verborgen war, beginnt sich zu zeigen.

Das Gold des Bildes erinnert an die alte Vorstellung der Alchemie, in der die Verwandlung unedler Stoffe in Gold zugleich als Sinnbild einer geistigen Läuterung verstanden werden kann.

Doch das Goldene ist hier nicht das Ergebnis einer äußeren Veredelung. Es verweist auf eine andere Qualität des Seins, die jenseits unserer gewohnten Vorstellungen von Erfolg, Besitz und Selbstverwirklichung liegt.

Vielleicht besteht das größte Geheimnis der Goldenen Burg darin, dass wir sie nicht finden, solange wir sie erobern wollen.

Erst wenn das Suchen still wird, kann sich etwas öffnen.

Und vielleicht erkennen wir dann, dass das Licht, nach dem wir so lange Ausschau gehalten haben, niemals wirklich fern war.

Es wartete hinter all dem, was wir für uns selbst hielten.

Die Goldene Burg öffnet ihre Tore nicht dem, der sie besitzen will, sondern dem, der bereit ist, sich verwandeln zu lassen.

Teile diesen Beitrag