
Kalenderblatt vom 4. Oktober
„Der Fisch schnappt nach Luft“
„The fish is gasping breath“
„El pescado esta aspirando aire fresco“
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm
Das Bild scheint zunächst ganz aus Licht zu bestehen. Gelb, Gold und Orange breiten sich über die Fläche aus, verdichten sich, brechen auseinander und lassen dunkle violette Formen hervortreten. Nichts steht still. Alles scheint in Bewegung.
Erst der Titel verändert den Blick. „Der Fisch schnappt nach Luft.“ Und tatsächlich lässt sich zwischen den Farbschichten eine Gestalt erahnen, ohne dass sie sich eindeutig zu erkennen gibt. Der Fisch bleibt Erscheinung, vielleicht sogar nur eine Vorstellung.
Doch gerade darin liegt die eigentliche Spannung: Ein Fisch, der nach Luft schnappt, befindet sich nicht mehr in seinem Element. Was Leben ermöglichen soll, wird plötzlich zum Zeichen der Gefährdung.
So entsteht ein merkwürdiger Gegensatz. Das Bild leuchtet geradezu verschwenderisch, während sich in seinem Inneren ein Moment existenzieller Not verbirgt. Lebenskraft und Verletzlichkeit erscheinen gleichzeitig.
Vielleicht erzählt das Bild deshalb von jenen Augenblicken, in denen das Vertraute nicht mehr trägt. Man ist bereits aus dem Alten herausgefallen, aber im Neuen noch nicht angekommen.
Dann wird aus dem Fisch ein Sinnbild für einen Übergang: für das Ringen um einen nächsten Atemzug, bevor man weiß, wohin er führen wird.
