Kalenderblatt
4. Oktober

Der Fisch schnappt nach Luft

Kalenderblatt vom  4. Oktober
„Der Fisch  schnappt nach Luft“

„The fish is gasping breath“
„El pescado esta aspirando aire fresco“

Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Das Bild scheint zunächst ganz aus Licht zu bestehen. Gelb, Gold und Orange breiten sich über die Fläche aus, verdichten sich, brechen auseinander und lassen dunkle violette Formen hervortreten. Nichts steht still. Alles scheint in Bewegung.

Erst der Titel verändert den Blick. „Der Fisch schnappt nach Luft.“ Und tatsächlich lässt sich zwischen den Farbschichten eine Gestalt erahnen, ohne dass sie sich eindeutig zu erkennen gibt. Der Fisch bleibt Erscheinung, vielleicht sogar nur eine Vorstellung.

Doch gerade darin liegt die eigentliche Spannung: Ein Fisch, der nach Luft schnappt, befindet sich nicht mehr in seinem Element. Was Leben ermöglichen soll, wird plötzlich zum Zeichen der Gefährdung.

So entsteht ein merkwürdiger Gegensatz. Das Bild leuchtet geradezu verschwenderisch, während sich in seinem Inneren ein Moment existenzieller Not verbirgt. Lebenskraft und Verletzlichkeit erscheinen gleichzeitig.

Vielleicht erzählt das Bild deshalb von jenen Augenblicken, in denen das Vertraute nicht mehr trägt. Man ist bereits aus dem Alten herausgefallen, aber im Neuen noch nicht angekommen.

Dann wird aus dem Fisch ein Sinnbild für einen Übergang: für das Ringen um einen nächsten Atemzug, bevor man weiß, wohin er führen wird.

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Kalenderblatt
4. Oktober

Ich liebe theatralische Sonnenuntergänge, besonders am Meer

Kalenderblatt vom 04. Oktober
„Ich liebe theatralische Sonnenuntergänge, besonders am Meer“
„I love theatrical sunsets, especially  at  sea“
„Quiero a teatrales puestas del sol, especialmente en el mar“

Aquarell auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es gibt Sonnenuntergänge, die sich still verabschieden. Und es gibt jene, die noch einmal alles aufbieten, was ihnen an Farbe und Dramatik zur Verfügung steht. Dieses Aquarell gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Über dem Meer entfaltet sich ein Himmel aus Gelb, Orange, Rot und dunklen, fast rauchigen Farbzonen. Die Farben liegen nicht ordentlich nebeneinander, sondern begegnen sich, dringen ineinander, brechen ab und beginnen an anderer Stelle erneut. Der Himmel wird zur Bühne eines Geschehens, dessen Ausgang wir nicht kennen.

Darunter öffnet sich die Landschaft. Kühles Blau, Türkis, Grün und erdige Töne bilden Meer, Küste und entfernte Landformen. Doch nichts ist vollständig festgelegt. Die Landschaft bleibt in Bewegung. Wasser kann Himmel spiegeln, Küste kann sich in Farbe auflösen, und die dunklen Formen am Horizont können ebenso gut Inseln und Felsen wie bloße Erinnerungen an sie sein.

Gerade diese Unbestimmtheit gehört zum Wesen des Aquarells. Wasser und Pigment dürfen mitentscheiden. Aus der beobachteten Natur entsteht keine topografisch genaue Landschaft, sondern eine innere Landschaft des Sehens und Erinnerns.

Dabei lebt das Bild von einem starken Gegensatz: Oben verdichtet sich die Welt zu Hitze und Dramatik, unten wird sie weit und kühl. Feuer trifft auf Wasser, Unruhe auf Weite, Verdichtung auf Auflösung. Dazwischen liegt der Horizont wie eine schmale Grenze zwischen zwei Zuständen.

Vielleicht ist es genau das, was einen Sonnenuntergang am Meer so faszinierend macht. Für wenige Minuten verliert die Welt ihre vertrauten Farben. Alles scheint möglich, übersteigert und beinahe unwirklich.

Der Titel macht daraus kein Geheimnis. Er behauptet keine distanzierte Naturbeobachtung, sondern formuliert ein persönliches Bekenntnis:

Ich liebe theatralische Sonnenuntergänge, besonders am Meer.

Und manchmal darf die Natur ruhig ein bisschen dick auftragen. Schließlich hat sie damit angefangen.

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