Kalenderblatt
19. Juli

Im hermetischen Fluss der Zeit

Das Kalenderblatt zum 19. Juli
„Im hermetischen Fluss der Zeit“
„In the hermetic flow of time“
„En el flujo hermético del tiempo“

Aquarell, Folie und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Im hermetischen Fluss der Zeit“ ist ein Bild, das den Betrachter nicht zu einer äußeren Landschaft führt, sondern in eine geistige Topographie. Es spricht nicht von der sichtbaren Welt, sondern von jener Wirklichkeit, die hinter den Erscheinungen lebt. Gerade darin liegt seine eigentliche Kraft. Die Formen sind einfach, doch sie tragen einen Inhalt, der weit über ihre äußere Gestalt hinausweist.

Die drei Pyramiden erscheinen nicht als Bauwerke vergangener Kulturen, sondern als Symbole der dreifachen Entwicklung des Menschen. Sie erinnern an die drei Wesensglieder, die sich im Verlauf der Evolution entfalten: Denken, Fühlen und Wollen. Jede besitzt ihre eigene Farbigkeit und ihren eigenen Charakter. Keine gleicht der anderen, denn der Mensch entwickelt diese Kräfte niemals gleichzeitig. Sie reifen in unterschiedlichen Rhythmen und treten doch gemeinsam in Erscheinung.

Der goldene Kreis, dessen Oberfläche von rhythmischen Wellen durchzogen wird, ist weit mehr als eine Sonne. Er erinnert an das geistige Urlicht, das hinter allen sichtbaren Sonnen wirkt. Gold verweist nicht auf materiellen Reichtum, sondern auf jene Sonnenkraft des Geistes, aus der Erkenntnis erwächst. Die wellenförmigen Strukturen lassen erkennen, dass selbst das Ewige nicht starr ist. Das Geistige offenbart sich in Rhythmen, in Schwingungen und lebendigen Gesetzmäßigkeiten. Alles Wirkliche atmet.

Das violette Firmament bildet den Raum, in dem sich diese geistigen Vorgänge vollziehen. Violett ist die Farbe der Verwandlung, der Schwelle zwischen Sinneswelt und übersinnlicher Erfahrung. Hier begegnet der Mensch jener Grenze, an der das gewöhnliche Bewusstsein beginnt, sich für höhere Wahrnehmung zu öffnen. Die kleinen Lichtpunkte wirken wie ferne Sterne, doch sie können ebenso als Keime zukünftiger Erkenntnisse verstanden werden, die bereits im Äther des Bewusstseins vorhanden sind.

Der blaue Fluss im Vordergrund trägt den Titel des Werkes in sich. Zeit erscheint hier nicht als mechanisches Fortschreiten von Sekunden, sondern als lebendiger Strom des Werdens. Im hermetischen Verständnis fließt die Zeit nicht nur nach vorne. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durchdringen einander. Was einst war, wirkt weiterhin schöpferisch in der Gegenwart, und jede gegenwärtige Handlung gestaltet bereits die Zukunft. Der Fluss trennt nicht. Er verbindet die verschiedenen Ebenen des Daseins.

Gerade hierin offenbart sich das hermetische Prinzip: Wie oben, so unten. Wie innen, so außen. Die Pyramiden erheben sich aus demselben Strom, der sie zugleich spiegelt und trägt. Das Geistige und das Irdische sind keine Gegensätze, sondern Ausdruck derselben schöpferischen Wirklichkeit. Wer nur die Oberfläche betrachtet, sieht Landschaft. Wer innerlich zu schauen beginnt, erkennt Entwicklungsstufen des Bewusstseins.

Die Verwendung von Aquarell, Acrylpaste und metallischer Folie verstärkt diesen Gedanken. Das transparente Aquarell steht für das Fließende und Wandelbare des Lebens. Die reliefartige Acrylpaste gibt dem Unsichtbaren Körperlichkeit, als wolle sie zeigen, dass Geist stets danach strebt, Form anzunehmen. Das Gold der Folie bricht das Licht und verändert sich mit jedem Blickwinkel. Dadurch wird sichtbar, dass geistige Wahrheit niemals endgültig festgehalten werden kann. Sie offenbart sich immer neu, abhängig von der inneren Haltung des Betrachters.

So wird dieses Werk zu einer Meditation über den Entwicklungsweg des Menschen. Es lädt nicht dazu ein, Antworten zu finden, sondern das eigene Bewusstsein zu vertiefen. Der hermetische Fluss der Zeit ist letztlich der Strom der menschlichen Evolution selbst. Jeder Mensch steht an seinem Ufer, durchschreitet seine Strömungen und trägt zugleich die Möglichkeit in sich, eines Tages zu erkennen, dass Zeit nicht nur vergeht, sondern Bewusstsein hervorbringt. In diesem Sinne wird das Bild zu einer stillen Erinnerung daran, dass jede äußere Landschaft immer zugleich eine Landschaft der Seele und des Geistes ist.

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Kalenderblatt
19. Juli

Das kleine Rot trifft das große Blau im unendlichen weißen Raum

Kalenderblatt vom 19. Juli
„Das kleine Rot trifft das große Blau im unendlichen weißen Raum“
„The little red meets the big blue in the endless white space“
„El rojo pequeño acierta al grande azul  en el espacio albo infinito“

Gesso, Acryl, Quarzsand auf Aquarellbütten ca. 15 x 21 cm

Es gibt Begegnungen, die verändern keine Welt. Und es gibt Begegnungen, die eine neue erschaffen. Dieses Bild erzählt von einer solchen. In einem unendlichen weißen Raum, der weder Himmel noch Erde ist, sondern reine Möglichkeit, treibt ein mächtiges blaues Wesen durch die Stille. Es besitzt keine feste Gestalt. Es ist Landschaft, Ozean, Wolke, Erinnerung und Gedanke zugleich. Seine Oberfläche aus Gesso, Acryl und Quarzsand trägt die Spuren zahlloser Verwandlungen. Jede Erhebung wirkt wie eine alte Narbe, jeder Strich wie eine Bewegung, die nie ganz zum Stillstand gekommen ist.

Das Blau hatte längst aufgehört, nach einem Ziel zu suchen. Es genügte sich selbst. Es breitete sich aus, füllte den Raum mit seiner Tiefe und glaubte, Größe bedeute Vollständigkeit. Wer so groß geworden ist, übersieht leicht, dass das Entscheidende oft kaum sichtbar ist. Eine Eigenart des Universums. Es liebt Ironie.

Dann erschien das kleine Rot.

Nicht laut. Nicht dramatisch. Kein Feuerwerk, kein Donner, keine göttliche Fanfare. Nur ein kleiner roter Kreis, kaum größer als ein Gedanke, und doch von einer Dichte, die alles um ihn herum veränderte. Das Rot musste nichts beweisen. Es war einfach da. Seine Wärme begann den kalten Atem des Blaus zu berühren, lange bevor sich beide wirklich begegneten.

Das große Blau spürte etwas, das es nicht benennen konnte. Zum ersten Mal seit unvorstellbarer Zeit wurde seine Weite nicht als grenzenlose Freiheit empfunden, sondern als Einladung. Das kleine Rot war kein Fremdkörper. Es war eine Erinnerung daran, dass selbst das Größte ohne Beziehung unvollständig bleibt.

Je näher sich beide kamen, desto mehr verwandelte sich der weiße Raum. Er war keine Leere mehr, sondern ein Resonanzfeld. Das Weiß begann zwischen ihnen zu leuchten, als hätte es nur auf diesen Augenblick gewartet. Das Blau verlor nichts von seiner Kraft, und das Rot nichts von seiner Eigenständigkeit. Im Gegenteil. Beide wurden durch die Nähe größer, ohne ihre eigene Natur aufzugeben.

Vielleicht erzählt dieses Bild deshalb nicht von Farben, sondern von Menschen. Von jenen seltenen Begegnungen, bei denen nicht die Lautesten oder Mächtigsten den Unterschied machen, sondern die scheinbar kleinen Impulse. Ein Blick. Ein Wort. Ein Lächeln. Eine einzige Entscheidung kann den Lauf einer ganzen inneren Landschaft verändern.

Das kleine Rot erinnert daran, dass Bedeutung niemals eine Frage der Größe ist. Das große Blau zeigt, dass selbst ungeheure Weite auf einen einzigen lebendigen Funken wartet. Und der unendliche weiße Raum macht sichtbar, dass zwischen zwei Wesen immer unendlich viele Möglichkeiten liegen.

Vielleicht trägt jeder Mensch beides in sich: das große Blau voller Erfahrungen, Erinnerungen und Sehnsüchte, und das kleine Rot, den unzerstörbaren Kern des Lebendigen. Wenn beide einander endlich begegnen, beginnt etwas, das größer ist als Harmonie. Es beginnt Verwandlung.

So bleibt dieses Bild nicht an der Oberfläche der Farben stehen. Es erzählt von der uralten Wahrheit, dass das Große nicht durch Macht vollendet wird, sondern durch Berührung. Und manchmal genügt ein einziger roter Punkt, um einem ganzen Universum eine neue Richtung zu geben.

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