
Das Kalenderblatt zum 17. September
„Der Himmel erinnert sich nicht“
„The Sky Does Not Remember“
„El cielo no recuerda“
Acryl und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
„Der Himmel erinnert sich nicht“ ist weniger Landschaft als der Moment, in dem Landschaft entsteht und zugleich wieder verschwindet. Farbe wird hier nicht eingesetzt, um einen Ort zu beschreiben, sondern um Wahrnehmung instabil werden zu lassen.
Im unteren Bildfeld verdichten sich Rot, Orange, Gelb und dunkles Blau zu einer körperlichen, beinahe sedimentären Zone. Sie könnte Erde sein, Feuer, Vegetation oder Erinnerung. Darüber verliert sich diese materielle Gewissheit. Blau wird zur Spur, Weiß zum Raum, die Oberfläche zur Bewegung.
Gerade diese Ungleichheit der beiden Bildzonen macht die Arbeit interessant. Das Bild besitzt keinen klassischen Horizont. Stattdessen entsteht eine instabile Grenze zwischen Verdichtung und Auflösung. Was unten noch Materie ist, wird oben bereits Atmosphäre.
Darin liegt etwas sehr Gegenwärtiges: Die Landschaft erscheint nicht mehr als dauerhafte Wirklichkeit, sondern als etwas Vorläufiges, Gefährdetes und Erinnerbares. Der Betrachter sucht nach einem Ort, doch das Bild verweigert ihm die Gewissheit, dass dieser Ort überhaupt existiert.
Vielleicht ist das Entscheidende deshalb nicht das, was zu sehen ist, sondern das, was gerade dabei ist, aus dem Sichtbaren zu verschwinden.
