
Das Kalenderblatt zum 15. April
“Schokolade wächst nicht auf Feldern”
“Chocolate don’t grow on fields”
“Chocolate no medra en el campo”
Aquarell, Pastellkreide und Acrylpaste
auf Aquarellbütten ca 21 x 15 cm
Dieses Bild trägt einen Titel, der irritiert, fast provoziert: „Schokolade wächst nicht auf Feldern“ und genau in dieser Spannung entfaltet sich seine Kraft. Auf den ersten Blick dominieren warme, erdige Orangetöne, durchzogen von vertikalen Linien, die wie abstrahierte Stämme, Grenzen oder vielleicht sogar Produktionsketten wirken. Doch je länger man hinsieht, desto deutlicher wird: Hier geht es nicht um das Offensichtliche, sondern um das Verborgene hinter der Oberfläche.
Die linke Bildhälfte wirkt strukturiert, beinahe geordnet, als würde sie eine Welt darstellen, die wir zu kennen glauben. Linien stehen für Klarheit, für Systeme, für das, was wir kontrollieren möchten. Doch diese Ordnung ist trügerisch. Denn daneben, fast abrupt, öffnet sich ein Raum aus flirrenden, punktierten Strukturen, roh, unruhig, lebendig. Ein Feld, das nicht wächst, sondern erzählt. Ein Boden, der nicht nährt, sondern erinnert.
Der Titel fungiert dabei wie ein Weckruf: Schokolade, Sinnbild für Genuss, Luxus und Selbstverständlichkeit, ist das Endprodukt einer Geschichte, die wir oft ausblenden. Dieses Bild legt diese Verdrängung offen. Es zwingt den Betrachter, hinter die ästhetische Wärme zu schauen und sich zu fragen: Was liegt unter dieser Oberfläche? Wer oder was ist Teil dieses unsichtbaren Prozesses?
Die körnige Textur auf der rechten Seite wirkt fast wie Spuren, wie Fragmente von etwas, das einst lebendig war. Vielleicht ist es Erde. Vielleicht sind es Schatten. Vielleicht sind es die unsichtbaren Hände, die wir nie sehen. Das Bild spricht nicht laut, aber es insistiert. Es bleibt. Es arbeitet im Inneren weiter.
So wird aus einer scheinbar einfachen Komposition ein stilles, aber eindringliches Statement: Wir konsumieren Ergebnisse, aber ignorieren Ursprünge. Wir genießen, ohne zu hinterfragen. Dieses Werk bricht genau mit dieser Bequemlichkeit. Es ist keine Anklage im klassischen Sinn, vielmehr eine Einladung zur Bewusstwerdung.
Und genau darin liegt seine Größe: Es verwandelt Ästhetik in Erkenntnis, Oberfläche in Tiefe und Farbe in Verantwortung.
