Kalenderblatt
7. Juli

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Das Kalenderblatt zum 7. Juli
„Die Erinnerung trägt ein Gesicht“
„Memory Has a Face“
„La memoria tiene un rostro“

Aquarell und Acrylpaste auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm

„Die Erinnerung trägt ein Gesicht“ verweigert sich der Eindeutigkeit. Was zunächst wie eine Landschaft aus Dunst, Wasser und Schatten erscheint, öffnet sich langsam zu einer menschlichen Präsenz, die nicht vollständig sichtbar werden will. Das Gesicht tritt nicht aus der Farbe hervor, sondern scheint von ihr verschluckt und zugleich bewahrt zu werden. Es ist eine Erscheinung zwischen Erinnerung und Vergessen, zwischen Nähe und Auflösung.

Die helle Fläche im Zentrum wirkt wie eine fragile Insel des Bewusstseins. Ein Auge, eine angedeutete Kontur, ein kaum formulierter Ausdruck reichen aus, damit der Betrachter beginnt, das Fehlende selbst zu ergänzen. Erinnerung ist niemals vollständig. Sie lebt von Fragmenten, Auslassungen und den Räumen dazwischen. Gerade dort entfaltet dieses Bild seine eigentliche Kraft.

Die lasierenden Grau-, Blau- und Violetttöne schaffen eine Atmosphäre, in der Zeit ihre Schärfe verliert. Die aufgetragene Acrylpaste verleiht der Oberfläche eine körperliche Präsenz, während das Aquarell die Formen wieder entgleiten lässt. Das Material erinnert daran, dass jede Erinnerung zugleich Substanz und Verlust ist. Was festgehalten werden soll, beginnt im selben Moment zu verschwinden.

Dieses Werk erzählt nicht von einer bestimmten Person. Es spricht von dem Gesicht, das jeder Mensch in sich trägt, von jenem Blick, der in einem Traum, einem Geruch oder einem flüchtigen Licht plötzlich wieder auftaucht, ohne sich vollständig erklären zu lassen. Das Bild fordert keine Antwort. Es lädt dazu ein, die eigene Vergangenheit nicht als Archiv zu betrachten, sondern als lebendigen Raum, in dem Bilder entstehen, verschwinden und sich unaufhörlich neu formen.

„Die Erinnerung trägt ein Gesicht“ ist damit weniger ein Porträt als eine Spur des Menschlichen. Es zeigt, dass Identität nicht aus klaren Konturen besteht, sondern aus dem, was sich jeder endgültigen Festlegung entzieht. Gerade in seiner Unschärfe eröffnet das Werk einen stillen, intensiven Dialog über Erinnerung, Vergänglichkeit und die Zerbrechlichkeit des eigenen Selbst.

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Kalenderblatt
7. Juli

Der Golfball ist zu groß

Kalenderblatt vom 7. Juli
„Der Golfball ist zu groß“
„The golf ball is too big“
„La pelota de golf es demasiado grande“

Acryl, Acrylpaste, Pigment auf Aquarellbütten ca. 21 x 15 cm

„Der Golfball ist zu groß“ ist einer dieser Titel, die zunächst wie ein Scherz wirken. Das Gehirn sucht sofort nach einem Golfplatz, nach einem Schläger, nach den vertrauten Regeln eines Spiels. Doch stattdessen steht dort eine riesige Kugel auf einer kargen Landschaft, gekrönt von einer Fahnenstange, als hätte jemand die Maßstäbe der Wirklichkeit vertauscht. Menschen sind bemerkenswert darin, alles normieren zu wollen. Bis ein Bild auftaucht und beschließt, sämtliche Zollstöcke gleichzeitig zu beleidigen.

Der leuchtend gelbe Hintergrund wirkt wie ein endloses Lichtfeld. Er kennt weder Himmel noch Horizont. Er ist keine Landschaft, sondern ein Zustand. In diesem grenzenlosen Raum erhebt sich die dunkle Kugel wie ein Planet, ein Hindernis oder ein Gedanke, der zu groß geworden ist, um ihn noch beiseitezuschieben. Die kleine Fahne darauf erinnert an das Ziel eines Golflochs, doch sie verändert ihre Bedeutung vollständig. Hier markiert sie keinen Erfolg, sondern die Absurdität menschlicher Erwartungen.

Denn was geschieht, wenn der Golfball größer ist als das Loch, das ihn aufnehmen soll? Das gesamte Spiel verliert seinen Sinn. Alle Regeln bleiben bestehen, doch sie sind plötzlich nutzlos geworden. Genau darin liegt die stille Ironie des Bildes. Es erzählt von Situationen, in denen nicht der Mensch versagt, sondern die Aufgabe falsch gestellt wurde. Manchmal ist das Problem nicht mangelnde Anstrengung, sondern eine Welt, deren Maßstäbe längst nicht mehr zur Wirklichkeit passen.

Die erdige Struktur im unteren Bildbereich wirkt rau und zerklüftet. „>Oben eht im Gegensatz zur fast vollkommenen Klarheit des gelben Raumes. Die Kugel sitzt zwischen beiden Welten fest, als wäre sie gleichzeitig Last und Fundament. Vielleicht ist sie gar kein Golfball. Vielleicht ist sie die Summe unserer Ansprüche, Sorgen und Selbstzweifel, die wir mit erstaunlicher Konsequenz vor uns herrollen, bis sie schließlich so groß geworden sind, dass kein Ziel der Welt sie noch aufnehmen kann.

Gerade die Einfachheit der Komposition verleiht dem Werk seine Kraft. Wenige Formen genügen, um eine komplexe Erfahrung sichtbar zu machen. Der Humor des Titels öffnet die Tür, doch dahinter wartet eine existenzielle Frage: Was tun wir, wenn wir erkennen, dass wir nach Regeln spielen, die längst keinen Sinn mehr ergeben?

Vielleicht besteht die eigentliche Lösung nicht darin, den Ball kleiner zu machen. Vielleicht muss das Spielfeld neu gedacht werden. Die Fahne steht jedenfalls unbeirrbar im Licht, als wolle sie sagen, dass jedes Ziel erreichbar ist, wenn wir den Mut haben, die Größe unserer Probleme nicht als Hindernis, sondern als Einladung zu einer anderen Perspektive zu begreifen.

So wird „Der Golfball ist zu groß“ zu einer poetischen Parabel über überdimensionierte Erwartungen, den Mut zur Neuorientierung und die Freiheit, scheinbar feststehende Regeln infrage zu stellen. Es ist ein Bild, das lächelt, ohne sich lustig zu machen, und das daran erinnert, dass manche Schwierigkeiten nur deshalb unlösbar erscheinen, weil wir noch auf dem falschen Spielfeld stehen.

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