
Das Kalenderblatt zum 22. Februar
“Der 53. Sonnenuntergang dieses Jahres”
“The 53rd sunset of this year”
“La 53 puesta del sol este año”
Aquarell auf Aquarellbütten ca 15 x 21 cm
Der 53. Sonnenuntergang dieses Jahres ist nicht einfach eine Momentaufnahme der Natur. Er ist ein Verdichtungspunkt von Zeit, ein leiser, aber unumkehrbarer Übergang zwischen dem, was war, und dem, was sich noch nicht offenbart hat.
Die Sonne selbst erscheint hier nicht als fernes Gestirn, sondern als lebendiger, atmender Kern. Ihr leuchtendes Gelb trägt die Unschuld des Anfangs in sich, während die Einschlüsse von Orange und Rot bereits vom Wissen der Vergänglichkeit erzählen. Sie ist zugleich Geburt und Abschied, ein Symbol für die ewige Bewegung des Werdens und Vergehens. Nichts an ihr ist statisch. Sie pulsiert. Sie erinnert uns daran, dass jeder Augenblick, so vollkommen er auch sein mag, nur existiert, um sich im nächsten aufzulösen.
Der Raum um sie herum ist kein leerer Himmel. Er ist ein Resonanzfeld der Seele. Das Violett, das sich weich und zugleich tief ausbreitet, trägt die Qualität des Inneren, des Unausgesprochenen. Es ist die Farbe der Schwelle, zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Bewusstsein und Ahnung. In diesem Violett liegt eine stille Einladung: innezuhalten, nicht zu handeln, sondern zu empfangen.
Unterhalb des Sonnenkörpers öffnet sich ein Horizont, der sich nicht klar festlegen lässt. Wasser, Luft und Licht verschmelzen zu einer Sphäre der Möglichkeit. Die zarten Spiegelungen in Gelb und Rosé wirken wie Erinnerungen an Emotionen, die noch nachklingen. Sie sind nicht konkret, und genau darin liegt ihre Kraft. Sie lassen Raum für Projektion, für persönliches Erleben, für das eigene innere Echo.
Dieser Sonnenuntergang ist der 53. eines Jahres, eine scheinbar beiläufige Zahl, und doch birgt sie eine tiefere Wahrheit. Sie erinnert uns daran, dass wir die meisten Übergänge unseres Lebens nicht bewusst würdigen. Sie geschehen leise. Unbemerkt. Und doch formen sie uns.
Dieses Bild hält einen solchen Moment fest. Es macht sichtbar, was normalerweise entgleitet: den heiligen Zwischenraum, in dem etwas endet und gleichzeitig etwas Neues vorbereitet wird.
Wer dieses Werk betrachtet, sieht nicht nur einen Sonnenuntergang. Er begegnet einem Spiegel seiner eigenen inneren Zyklen. Er wird eingeladen, sich selbst in diesem Übergang zu erkennen. Denn jeder Sonnenuntergang trägt dieselbe Botschaft:
Du bist im Wandel. Und genau darin liegt deine Schönheit.
